News

Ortenburg Seminar 2018

Europa im Wandel – Mauern errichten oder einreißen?
Ein Diskurs aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven –Anregungen für einen europabezogenen, digitalen Unterricht

Wohin steuert Europa? Starke aber gegenläufige Tendenzen liefern Konfliktstoff für eine Festigung der europäischen Einigung. Mit Sorge verzeichnen wir die euroskeptischen Töne, die bei den Briten immerhin zum BREXIT geführt haben. Uneinigkeit herrscht über den Umgang mit Flüchtlingen. Worauf müssen wir uns einstellen? Schaden Krisen oder sind sie ein Element der EU, an das wir uns gewöhnen müssen und als solche konstitutiv für Verständigung und Lösungen?
Zum besseren Verständnis unterschiedlicher nationaler Interessen haben wir eine Herangehensweise an das Thema aus tschechischer, österreichischer und deutscher Sicht gewählt.

Das ist möglich weil neben dem EBB (deutsche Sektion der AEDE) auch die tschechische und die österreichische Sektion als Kooperationspartner gewonnen werden konnten und der deutsche Veranstaltungsort in unmittelbarer Nähe zu den Nachbarländern gelegen ist.

Kurios, dass Abschottungsgelüsten und einer Rückbesinnung auf das Nationale eine rasant wachsende digitale europäische Zivilgesellschaft gegen-
übersteht. Wie geht das zusammen? Unsere Schülerinnen und Schüler wachsen in einer solchen offenen Gesellschaft auf. Wie reagiert Schule?

Wie reagiert Didaktik? Welche Herausforderungen aber auch welche Chancen ergeben sich für einen europabezogenen digitalen Unterricht? Praktiker sollen im Rahmen des Seminares konkrete online-Projekte vorstellen. Darüber hinaus bietet das Seminar vor allem Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern persönlich (face to face) zu begegnen.

Als der EBB vor über 60 Jahren (1956) gegründet wurde, waren die Gründer 10 Jahre nach einem verheerenden Weltkrieg in erster Linie von der Friedensidee begeistert und speziell Deutschland erhoffte sich eine Wiedervereinigung in einem vereinten Europa. Vieles ist heute selbstverständlich, Euro-
pa spielt eine eigenständige weltpolitische Rolle aber nur, wenn es gelingt, diese Einheit auch zu festigen und zu stabilisieren. Der Europäische Bund für Bildung und Wissenschaft (EBB), ist ein gemeinnütziger und überparteilicher Verein von Lehrerinnen und Lehrern Erzieherinnen und Erziehern aller

Bildungsbereiche (von der Vorschule bis zur Hochschule), der sich für die „europäische Dimension“ in der Bildung und Ausbildung einsetzt. Der EBB ist die deutsche Sektion der AEDE (Association Européenne des Enseignants).

Die Reihe der Ortenburger Seminare gibt es seit über 20 Jahren. Der Markt Ortenburg, in früheren Jahrhunderten eine reichsunmittelbare Grafschaft, hat eine erstaunliche Geschichte. Als evangelische Insel im ansonsten katholischen Niederbayern (Landkreis Passau) hat Ortenburg im 17. Jahrhun-
dert eine bedeutende Rolle als “europäischer“ Zufluchtsort für „protestantische Exulanten“ aus Österreich gespielt.

Die Veranstaltung findet als Kooperation mit der tschechischen und österreichischen Sektion der AEDE statt.

ERKLÄRUNG des EBB-AEDE Vorsitzenden zur Evaluation und Fortschreibung des Erasmus+ Programmes

In diesen spannenden Zeiten ist besonders beunruhigend, dass einerseits selbst elementare Kenntnisse des europäischen politischen Systems vielfach zu fehlen scheinen und andererseits auch grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens in demokratischen, d.h. pluralistischen Gesellschaften nicht (mehr) anerkannt werden. Vor diesem Hintergrund erhält die zur Zeit laufende Evaluation des Bildungsprogrammes der EU und die damit verbundene Vorbereitung eines Fortsetzungsprogrammes für die Zeit nach 2020 eine neue Bedeutung.

Generell sollte sich das zukünftige EU-Bildungsprogramm ausschliesslich an der „Erklärung zur Förderung von Politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nicht-diskriminierung“ orientieren, die die EU-Bildungsminister am 17. März 2015 als „Reaktion auf die Terroranschläge in Frankreich und Dänemark zu Beginn dieses Jahres, und im Gedenken an ähnliche Schreckenstaten in Europa in der jüngeren Vergangenheit“ beschlossen hatten, da die dort formulierten Ziele leider noch nicht erreicht und weiterhin von großer Bedeutung für die Zukunft der EU und Europas sind: "Wir, die Bildungsminister und der europäische Kommissar, stehen bei der Weitergabe der humanistischen und demokratischen Werte, für die wir gemeinsam stehen, ganz besonders in der Pflicht. Wir setzen uns gemeinsam dafür ein, Gedankenfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen, soziale Eingliederung und die Achtung der Mitmenschen zu fördern, sowie Diskriminierungen jeglicher Art vorzubeugen und zu bekämpfen. Deshalb rufen wir zur Verstärkung der Bemühungen auf, die Vermittlung und Aneignung dieser Grundwerte bereits vom frühen Kindesalter an zu verstärken, und daran zu arbeiten, durch entsprechende Bildung integrativere Gesellschaften zu schaffen". Damit sind allen Trägern von formaler und non-formaler Bildung in Europa genug Aufgaben und Ziele für ihr Engagement für den Zeitraum des nächsten Bildungsprogrammes aufgegeben.

Um diese Ziele erreichen zu können, sollten u.a. folgende Bereiche in einem zukünftigen EU-Bildungsprogramm eine besondere Rolle spielen:

a) Die Verknüpfung der einzelnen Bausteine des Programms sollte verstärkt werden, z.B. durch die Förderung des Engagements von (Erasmus+) Studierenden in Schulen an ihrem Studienort, was sowohl den Studierenden zu einer vertieften Landeskenntnis verhilft als auch in den Schulen zu einer Verbesserung der europäischen Bildung beiträgt.

b) Das zukünftige europäische Bidungsprogramm sollte weiterhin dazu beitragen, dass die Lehramtsstudierenden und der Lehrpersonen, die jetzt oder in Zukunft „Europa im Unterricht“ vermitteln (werden), selbst die Gelegenheit bekommen, Europa vertieft kennen zu lernen.

Gleichzeitig sollte angesichts des wiederholt festgestellten Mangels an Kenntnissen über die EU und ihr politisches System die EU-Kommission beauftragt werden, kompetenzorientierte Standards für die europäische Bildung in Schulen zu entwickeln und deren Erreichung in einem offenen Pro-zess der Koordinierung kontinuierlich zu überprüfen. Alternativ dazu könnten diese Kompetenzen auch in einem dem PISA-Test ähnlichen Verfahren in regelmäßigen Abständen getestet werden. Grundlage dafür könnte ebenfalls die oben zitierte Erkläung der EU-Bildungsminister sein, in der es auch heißt: „Es besteht die Notwendigkeit an Zusammenarbeit und Koordinierung, an Erfahrungsaustausch und an Gewährleistung, dass die besten Ideen und Praktiken innerhalb der Europäischen Union verbreitet und ausgetauscht werden können …".

 

Duisburg, den 4.12.2017

Alfons Scholten, Vorsitzender EBB-AEDE e.V.

Die Erklärung als pdf.